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Schilddrüse verstehen: Aufgaben, Werte und häufige Beschwerden

Die Schilddrüse ist klein, beeinflusst aber fast jedes Organ. Arbeitet sie zu langsam oder zu schnell, zeigt sich das oft in Beschwerden, die man zunächst ganz anders deutet.

Diese Seite erklärt, was die Schilddrüse tut, was die wichtigsten Werte bedeuten und wann eine Untersuchung sinnvoll ist. Sie ersetzt kein ärztliches Gespräch.

Was die Schilddrüse im Körper tut

Die Schilddrüse ist schmetterlingsförmig; jeder Seitenlappen ist ungefähr daumengroß. Sie sitzt vorne am Hals, unterhalb des Kehlkopfs, und ist von außen normalerweise weder zu sehen noch zu tasten.

Sie bildet Hormone, die bestimmen, wie schnell der Körper arbeitet: Herzschlag, Körperwärme, Verdauung, Energieverbrauch. Man kann sich das wie die Einstellung des Grundtempos vorstellen.

Gesteuert wird sie von der Hirnanhangsdrüse im Gehirn. Diese sendet das Hormon TSH als Signal: Braucht der Körper mehr Schilddrüsenhormon, steigt TSH an. Ist genug vorhanden, sinkt es wieder. Die beiden Drüsen regeln sich gegenseitig ein — deshalb sagt der TSH-Wert etwas über die Schilddrüse aus, obwohl er gar nicht aus ihr stammt.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Bei einer Unterfunktion stellt die Schilddrüse zu wenig Hormon her. Der Körper läuft langsamer, als er sollte. Der medizinische Begriff dafür ist Hypothyreose.

Die Beschwerden entwickeln sich meist über Monate und fallen deshalb oft lange nicht auf.

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Bei einer Überfunktion stellt die Schilddrüse zu viel Hormon her. Der Körper läuft schneller, als er sollte. Der medizinische Begriff dafür ist Hyperthyreose.

Anders als bei der Unterfunktion setzen die Beschwerden oft recht deutlich ein.

Unterfunktion und Überfunktion im Vergleich

Antrieb
Unterfunktion (Hypothyreose):vermindert, Müdigkeit
Überfunktion (Hyperthyreose):gesteigert, innere Unruhe
Puls
Unterfunktion (Hypothyreose):langsamer
Überfunktion (Hyperthyreose):schneller, Herzklopfen
Wärmeempfinden
Unterfunktion (Hypothyreose):friert leicht
Überfunktion (Hyperthyreose):schwitzt, verträgt Wärme schlecht
Schlaf
Unterfunktion (Hypothyreose):erhöhtes Schlafbedürfnis
Überfunktion (Hyperthyreose):Ein- und Durchschlafstörungen
Konzentration
Unterfunktion (Hypothyreose):erschwert
Überfunktion (Hyperthyreose):erschwert
Darm
Unterfunktion (Hypothyreose):träge, Verstopfung
Überfunktion (Hyperthyreose):beschleunigt
Zittern
Unterfunktion (Hypothyreose):kein typisches Zeichen
Überfunktion (Hyperthyreose):feines Zittern der Hände

Warum dieselben Beschwerden viele Ursachen haben

Wer die beiden Listen liest, findet fast immer etwas, das zutrifft. Das liegt weniger an der Schilddrüse als an den Beschwerden selbst: Müdigkeit, Gewichtsveränderungen, Schlafprobleme und Stimmungsschwankungen können viele Ursachen haben. Eine Schilddrüsenerkrankung ist nur eine davon.

Auch das Lebensalter spielt eine Rolle. Dieselbe Störung kann sich bei einem Jugendlichen anders bemerkbar machen als bei einem Erwachsenen oder einem älteren Menschen — und bei älteren Menschen zeigt sie sich mitunter nur sehr zurückhaltend.

Eine Liste abzuhaken ergibt deshalb keine Diagnose. Was wirklich zusammenpasst, ergibt sich aus dem Gespräch, der Untersuchung und — wenn nötig — den Laborwerten.

Schilddrüsenwerte: was TSH, T3 und T4 bedeuten

TSH ist meist der erste Wert, der bestimmt wird. Er stammt nicht aus der Schilddrüse, sondern aus der Hirnanhangsdrüse, und zeigt, wie stark diese die Schilddrüse antreibt.

T4 und T3 sind die Schilddrüsenhormone selbst. Sie werden nicht bei jeder Blutabnahme mitbestimmt — häufig erst dann, wenn der TSH-Wert dazu Anlass gibt.

TSH ↑

Kann für eine Unterfunktion sprechen.

TSH ↓

Kann für eine Überfunktion sprechen.

Der TSH-Wert allein entscheidet nicht.

Wenn der TSH-Wert erhöht ist

Ein erhöhter TSH-Wert spricht für eine Unterfunktion. Das wirkt auf den ersten Blick verkehrt herum — ist es aber nicht: Die Hirnanhangsdrüse merkt, dass zu wenig Schilddrüsenhormon da ist, und treibt stärker an. Der hohe Wert ist das Signal, nicht das Hormon.

Wenn der TSH-Wert erniedrigt ist

Ein niedriger TSH-Wert spricht umgekehrt für eine Überfunktion. Es ist bereits genug oder zu viel Schilddrüsenhormon vorhanden, also drosselt die Hirnanhangsdrüse ihr Signal.

Warum ein einzelner Wert selten genügt

Ein einzelner Wert ist außerdem immer eine Momentaufnahme. Ob er etwas bedeutet, ergibt sich erst im Zusammenhang: mit den Beschwerden, der Vorgeschichte, den eingenommenen Medikamenten und manchmal einer zweiten Messung nach einigen Wochen.

Was Laborwerte beeinflussen kann

Manche Einflüsse auf einen Laborwert haben nichts mit der Schilddrüse zu tun, sondern mit dem, was sonst gerade eine Rolle spielt — etwa mit Nahrungsergänzungsmitteln oder Medikamenten.

Was Sie dazu beitragen können

Bringen Sie Ihre Medikamentenliste mit, einschließlich Nahrungsergänzungsmitteln.

Setzen Sie kein Medikament wegen eines Laborwerts ab und ändern Sie nichts an der Einnahme, ohne das vorher ärztlich besprochen zu haben.

Schilddrüsenknoten

Als Knoten bezeichnet man eine umschriebene Veränderung im Schilddrüsengewebe. Viele werden zufällig entdeckt, wenn aus einem anderen Grund untersucht wird.

Ein Knoten allein ist noch kein Grund für eine Behandlung.

Es gibt Anzeichen, bei denen eine ärztliche Abklärung nicht warten sollte: eine Heiserkeit, die länger als zwei Wochen anhält, Schluckbeschwerden, ein Druckgefühl am Hals oder geschwollene Lymphknoten am Hals. Das sind keine Zeichen dafür, dass etwas Schlimmes vorliegt — aber es sind Gründe, einen Termin nicht aufzuschieben.

Wann ein Schilddrüsen-Ultraschall sinnvoll ist

Ein Ultraschall der Schilddrüse wird gemacht, wenn es einen Anlass gibt: ein tastbarer Knoten, eine vergrößerte Schilddrüse, ein auffälliger Tastbefund oder eine Kontrolle bekannter Veränderungen. Ob in Ihrem Fall ein Anlass besteht, klärt das ärztliche Gespräch.

Ohne solchen Anlass ist eine Untersuchung nicht vorgesehen. Fachliche Leitlinien raten ausdrücklich davon ab, die Schilddrüse routinemäßig und ohne Beschwerden zu schallen.

Der Ultraschall zeigt Größe und Gewebestruktur. Über die Funktion sagt er nichts — dafür braucht es die Laborwerte.

Dreiteilige Darstellung: anatomische Zeichnung der Schilddrüse mit einem Knoten, ein Ultraschallbild des Halses und eine farbige Szintigrafie der Schilddrüse.

Übersicht zu Schilddrüsenknoten, Sonografie und Szintigrafie. Die Szintigrafie ist eine andere diagnostische Methode als der Ultraschall.

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Jod und Jodsalz in Österreich

Die Schilddrüse braucht Jod, um ihre Hormone zu bilden. Der Körper kann es nicht selbst herstellen — es muss über die Nahrung aufgenommen werden.

Jodiertes Speisesalz

wichtige Jodquelle in Österreich.

Milch und Milchprodukte

können zur Jodversorgung beitragen; Gehalt schwankt

Fisch und Meeresfrüchte

können viel Jod enthalten; Gehalt schwankt

Detaillierte Lebensmittelübersicht der Österreichischen Schilddrüsengesellschaft (PDF, Stand 12/2024) — für Milch/Milchprodukte und Fisch/Meeresfrüchte. Angaben zu Speisesalz: Österreichisches Lebensmittelbuch, Codex B 21.

Wenn Sie eine Schilddrüsenerkrankung haben, besprechen Sie zusätzliche Jodpräparate bitte ärztlich, statt sie auf eigene Faust einzunehmen. Ob und wie viel zusätzliches Jod sinnvoll ist, hängt von der Erkrankung ab und lässt sich nicht allgemein sagen.

Take-home Message

Die Schilddrüse bestimmt das Grundtempo des Körpers. Zu langsam und zu schnell verursachen beide Beschwerden — nur unterschiedliche.

Der TSH-Wert ist ein guter erster Anhaltspunkt. Ein einzelner Wert ohne Zusammenhang sagt allerdings wenig.

Die meisten Knoten sind harmlos. Untersucht wird, wenn es einen Anlass gibt — nicht auf Verdacht.

Häufige Fragen

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Quellen

S3-Leitlinie „Schilddrüsenknoten bei Erwachsenen in der hausärztlichen Versorgung“, AWMF 053-058, Version 1.0, Stand 01.12.2025, veröffentlicht am 23.03.2026, gültig bis 30.11.2030, koordinierend DEGAM

Die Jodbroschüre der Österreichischen Schilddrüsengesellschaft, Stand 12/2024, abgerufen 12.09.2026